Sarah Amanda Dulgeris
Sarah Amanda Dulgeris

November 2018 Dreharbeiten "Sashimi", internationaler Kurzfilm von Marylise Dumont. Ich als Kirstin, schlafend und hochschwanger:

Oktober 2018: Einladung zum Workshop "Politisches Schreiben" in München, Kooperation zwischen den Wienerwortstätten, NIDS Berlin (Maxi Obexer und Sasha Marianna Salzmann) und den Theatertexterinnen München:

Das Netzwerk der Münchner TheatertexterInnen wurde 2016 ins Leben gerufen. Es versteht sich als Zusammenschluss unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure, die Texte für die Bühne produzieren und darüber diskutieren. 
Im deutschsprachigen Raum gibt es zwei weitere Initiativen von Künstlerinnen und Künstlern, die sich die Förderung von Theatertext auf die Fahnen geschrieben haben: das NIDS aus Berlin, gegründet von Maxi Obexer und Marianna Salzmann, sowie die Wiener Wortstätten, geleitet von Hans Escher und Bernhard Studlar.
Bei RODEO 2018 kommen diese drei Initiativen erstmalig von 10. bis 12. Oktober zu einem Treffen zusammen, um sich über ihre jeweiligen Arbeitsweisen und Zielsetzungen auszutauschen. Eingeladen sind zudem sechs Autorinnen und Autoren aus Wien, Berlin und München. An drei Tagen werden ihre Texte in geschlossen in Workshops vorgestellt und diskutiert, mit dem Ziel produktiv an ihnen zu arbeiten.
Im Rahmen der Matinée im HochX findet – bei Kaffee und Croissants – eine Lesung von Texten statt. Sie bilden den Abschluss der gemeinsamen Arbeitstage. Es lesen Studierende des Studiengangs Schauspiel der Otto Falckenberg Schule: Valentin Mirwo (2. Jhg. Schauspiel an der OFS) Maditha Dolle (2. Jhg. Schauspiel an der OFS) Konstantin Gries (3. Jhg. Schauspiel an der OFS) Marie Bloching (3. Jhg. Schauspiel an der OFS).

 

Gelesen werden Texte von Thomas Perle (Wien), Ursula Knoll (Wien), Barbara te Kock (München), Lisa Jäschke ( München), Sarah Dulgeris (Berlin), Vernesa Berbo (Berlin).

 

http://rodeomuenchen.de/programm/details/matinee/

http://nids.eu/

http://www.wortstaetten.at/projects/dramatikerinnenpreis/

 

April 2018 GASTSTUDENTIN SZENISCHES SCHREIBEN UDK BERLIN:

Seit April 2018 Gaststudentin im Studiengang "Szenisches Schreiben" UDK Berlin (Studiengangsleiter, John von Düffel und Paul Brodowsky)

coming soon:

April-November 2018:

"Die Legende von Dimi und Ela"//Szenische Lesung// Aufführungstermine in Kürze

 

April 2018:

"Eine Frau am Tresen"//musikalischer Theaterabend//Feministische Perspektiven im Kulturbetrieb I

 

Mai 2018:

"Kein Liebeslied"// Szenische Lesung//mehr Infos in Kürze

 

Juni 2018: 

"das kunstseidene Mädchen tanzt auf dem Kurfürstendamm" // Performance// mehr Infos in Kürze

 

September 2018: 

"Markos-Kinder, Partisanen-Kinder" Dokumentarfilm Präsentation// mehr Infos in Kürze


 

Interview mit mir über mein Stück "Die Legende von Dimi und Ela": 

Ein Gespräch mit Autorin und Schauspielerin Sarah Dulgeris über Zugehörigkeit, Geschichte(n) und den Versuch, sich davon zu befreien.

von Janne Hagge Elhöfft

Freitagnachmittag. Tag vier des PAF-Festivals. Spontan treffe ich die Autorin und Schauspielerin Sarah Dulgeris zum Gespräch in einem Café am Aufbauhaus. Gerade hat sie Säcke voller Bauschutt, Teil des Bühnenbildes ihrer Produktion, alleine hierher gehievt. Die gelernte Schauspielerin feierte mit „Die Legende von Dimi & Ela“ ihr Debüt als Autorin, in dem sie die Geschichte ihrer Eltern erzählt. Heute wird ihr Stück erneut im TAK gezeigt. Beim Festival ist sie außerdem als Hopperin unterwegs, zeigt verlorenen Festivalbesucher*innen den Weg.

Sarah, bist du ein Familienmensch?

Meine Familie ist sehr zersplittert, zerpflückt, überall. Übriggeblieben ist ein kleiner Stamm von Menschen, die mir sehr wichtig sind und mit denen ich den Kontakt pflege. Aber mir sind auch Freunde sehr wichtig. Ich habe sehr lange und tiefe Verbindungen in meinem Leben. Das klingt jetzt zwar spirituell, aber ich glaube an Seelenverbindungen. Ich habe sowieso das Gefühl, dass das Thema meines Stückes ist, dass Dimi und Ela quasi ineinanderkrachen, weil sie alte Bekannte sind. 

„Die Legende von Dimi & Ela“ erzählt die Geschichte Deiner Eltern. Was ist an ihr besonders?

Meine Mutter hat mir immer von der Liebesgeschichte mit meinem Vater erzählt. Dadurch, dass es die Mauer gab, waren die beiden voneinander getrennt. Wie krass das war und wie emotional. Als sie ihn kennengelernt hat, war sie gerade fünfzehn Jahre alt und die beiden haben sich Hals über Kopf ineinander verliebt, sind aufeinander geprallt. Weil mein Vater griechischer Herkunft war, hat meine Großmutter ihre eigene Tochter angezeigt. Dann ist meine Mutter ins Heim gekommen, später kam sie in ein Jugendgefängnis. „Schwererziehbar“, weil sie geliebt hat. 

Was hat dich dazu bewogen, diese Geschichte für die Bühne zu erzählen? 

Ich bin Berlinerin. Aber mein Berlin war so besetzt mit fremden Geschichten. Mit den Geschichten von meinen Eltern, die nicht mir gehört haben. Davon wollte ich mich befreien. Als Schauspielerin am Theater habe ich irgendwann gemerkt: Wir sind Menschen mit so vielen Geschichten und spielen hier nur lebendige Requisiten. Aber meine Geschichte will ich viel lieber erzählen. Die Entscheidung, ein Projekt als Solokünstlerin zu machen, hatte für mich extrem viel mit Selbstfindung zu tun. Irgendwann wurde mir aber klar, dass nur ich das machen kann, weil nur ich die Sprache dafür habe. Deshalb dann der dramatische Text.

 "Die Legende von Dimi und Ela" © Josefine Hüttig



Also war schon die Auseinandersetzung mit diesem Stoff der Versuch einer Emanzipation von diesen Geschichten?

Bestimmt, denn so war ja der Ansatz: Ich suche jetzt mein eigenes Thema im Leben, meine Kunst und das, was mich eigentlich beschäftigt. Zu einem gewissen Teil ist es die Geschichte meiner Eltern. Aber die Figuren haben ein Eigenleben. Die ähneln wahrscheinlich gar nicht meinen Eltern. Mir war es wichtig, dass die Geschichten erzählt werden und dass sich Menschen damit identifizieren können. Wie ich erinnere, was mir erzählt wurde. Und jetzt bin ich eigentlich wieder beim Thema Identität gelandet. Was ist denn eigentlich meine Identität?

Das wäre meine nächste Frage gewesen. Fühlst du dich als Deutsch-Griechin?

Als ich damals in Moabit zur Schule gegangen bin, war es in meiner Klasse uncool deutsch zu sein. Da habe ich natürlich gesagt, ich sei Griechin, dabei konnte ich noch nicht mal die Sprache. Ich habe eigentlich immer ganz stark nach Zugehörigkeit gesucht. Als Schauspielerin habe ich mich auch nie irgendwo richtig zugehörig gefühlt. Ich hatte nicht das Gefühl ans Gorki zu passen, aber ebenso wenig ans Deutsche Theater. Es ist ja eigentlich mein Beruf, das, was ich gelernt habe, aber es gab da irgendwie eine Barriere, mich dort zu präsentieren, auch weil ich wusste, ich kann da nicht in meine Kraft kommen. 

Vielleicht ist es auch eine Identität, die über eine nationale Zugehörigkeit hinausgeht?

Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich die ganze Zeit meine Mutter geleugnet habe. Natürlich hat Griechenland in meinem Herzen einen großen Stellenwert, aber ich bin hier in Berlin zu Hause. Das musste ich erst lernen, weil man so einfach in Klischees reinschlittert, die einem nicht gehören. Man tut mir nicht weh, indem man mir eine nationale Zugehörigkeit zuschreibt oder auch nicht zuschreibt. Ich glaube letztlich, dass das, was mich auszeichnet, nicht meine nationale Herkunft ist, sondern meine soziale Herkunft. Ich bin kein Kind aus einem Bildungsbürgerhaushalt, meine Eltern sind halt so durchgekommen. Dass ich mit Menschen aufgewachsen bin die nicht geschont oder geschützt wurden – das macht meine Identität aus.

Du bist Autorin des Stückes, gleichzeitig spielst du in der Inszenierung einen Teil der Rolle der Ela. Ist das ein Balanceakt?

Manchmal sind mir sogar meine eigenen Texte wieder fremd. Ich muss mir das richtig erarbeiten. Meine Regisseurin sagt immer: Sarah, also du musst dich jetzt mal entscheiden. Beim nächsten Stück, das wir machen, wirst du nur schreiben oder nur spielen. Aber auch wenn es anstrengend ist, ich will immer beides machen. 

Hier im Theater im Aufbauhaus kam die Szenische Lesung im Februar 2016 zum ersten Mal auf die Bühne.

Ja, hier hat es seinen Ursprung. Beim Arbeiten haben wir gemerkt, wie das Material sein Zuhause findet. Aus dem krassen Herzen heraus einfach zu schreiben und zu zerstören. In dem Moment ist es eigentlich egal, ob der Intellekt sich dafür schämen könnte. Und das ist, glaube ich, die große Poesie die dabei entstanden ist, sowohl beim Schreiben als auch während der Proben.

Ihr habt das Stück dann auch an ganz unterschiedlichen Orten gezeigt und gelesen. Wenn du jetzt die freie Wahl hättest, wo würdest du die Arbeit gerne zeigen? 

Die Wohnzimmerlesungen, die wir ganz am Anfang hatten, die fand ich wahrscheinlich am schönsten. Wir haben auch einmal in der Probebühne im Deutschen Theater gelesen, damals gab es die Inszenierung noch nicht. Ich habe dazu Wein aufgemacht. Die Menschen sollten sich zu Hause fühlen. Ich finde es spannend, den Rahmen eines herkömmlichen Theaterbesuches zu brechen und zu sagen: Kommt nach Hause, lasst uns betrunken werden. Lasst uns eintauchen, nicht immer diese Membran schaffen zwischen Publikum und Bühne. 

Für viele Menschen kann Theater so ein Ort sein.

Für mich ist das heute die Freie Szene. Das war auch der Grund warum ich 2012 in den LAFT gegangen bin, weil ich mich dort zugehörig gefühlt habe. Und auch hier beim Festival habe ich mich an keiner Stelle schlechter gefühlt als andere oder das Gefühl gehabt, dass ich irgendwas nicht kann. 

Und dein persönliches Festivalhighlight bis jetzt?

Ich habe gemerkt, dass ich hier zu Hause bin. Das ist ganz verrückt. Beim Festival ist meine Aufgabe als Hopperin, dass ich die Leute, die sich verloren fühlen wieder einfange. Das ist wie Gastgeberin sein. Das ist glaube ich mein persönliches Festivalhighlight, dieses sich treiben lassen, nicht zu wissen was als nächstes kommt und gleichzeitig so fasziniert zu sein von so vielen verschiedenen Orten und Menschen, die man nicht kennt. Die Erkenntnis, dass ich die Qualität habe das zu tun und selber auch vertreten bin beim Festival. Ich gehöre dazu. Das erste Mal in meinem Leben.

https://performingarts-festival.blogspot.de/2017/06/die-menschen-sollten-sich-zuhause-fuhlen.html#more

 

18.06.2017 Szenische Lesung "Die Legende von Dimi und Ela" im Rahmen des Performing Art Festivals (PAF) Berlin:

http://tak-berlin.de/spielplan/2017-06-18-170000-die-legende-von-dimi-und-ela

 

 

Eine Geschichte von zwei Menschen, die es versucht haben

Die Legende von Dimi und Ela ist ein rasant erzähltes Biopic. Nach drei Jahren Trennung, Internierung im Jugendwerkhof und etlichen Eskapaden stellt Ela 1980 mit ihrem kleinen Sohn einen Ausreiseantrag in den Westen. Es folgen weitere Kinder, weitere Konflikte, kein Happy End. Die erwachsenen Liebenden erkämpfen sich Gemeinsamkeit, verlieren sich wieder, taumeln. Haftstrafe für den Vater, die Familie zerbricht. Die Kinder mitten zwischen zwei Menschen, die es versucht haben: Eine neue Generation voller Angst, Wut und Ohnmacht wächst heran. Ist Geschichte vererbbar?
Die szenische Lesung stellt die komplexe Thematik als turbulente und leichte Erzählung in den Bühnenraum. Die Legende von Dimi & Ela ist ein Stück Berlin und zugleich Berliner Geschichte im Zeitraffer!

Es lesen: Inga Bruderek, Maximilian Rösler, Sarah Amanda Dulgeris, Bernd Stempel
Regie: Ariane Kareev

Im März 2017 stehe ich für zwei Kurzfilme vor der Kamera: 

"Eyes wide open", Text und Regie Linus Joos und "Die Nächte sind laut und schwer zu ertragen", Regie und Text Riccarda Schemann (Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf)

25.03.2017 24h Theater in der Brotfabrik:

am Freitag, den 24. und Samstag, den 25.3.2017 spiele ich in der Brotfabrik im Rahmen des 24h Theater. Kommt vorbei. Es wird spannend, 8 Schauspielerinnen, 4 Regisseurinnen, 4 Autorinnen und 24h Zeit um ein Stück zu entwickeln, welches am Abend des 25.3. in 4 Gruppen und natürlich in 4 verschiedenen Stücken, dem Publikum präsentiert werden. Das kann nur ein Spaß werden. Kommt und macht mit!!!

07.11.2016 Lesung: "Die Legende von Dimi und Ela" im Rahmen des Festivals Narrative der Krise / Narrazioni della crisi / Αφηγήσεις της κρίσης" // 19.30 Uhr // Schaubühne Lindenfels

Es lesen: Inga Bruderek, Márton Péter Nagy, Julian Bisesi, Sarah Amanda Dulgeris

 

Text: Sarah Amanda Dulgeris

Recherche Beginn "Markos-Kinder, Partisanen-Kinder" Ein Theaterstück über die Geschichte meiner Großeltern

29./30.9.2016 20h Wiederaufnahme Szenische Lesung "Die Legende von Dimi und Ela" im Theaterdiscounter

Berlin Alexanderplatz 1976. Ela kommt aus dem Osten und Dimi, der Exil-Grieche, aus West-Berlin. Eine Liebesgeschichte - der deutschen Teilung zum Trotz; ein Aufbegehren aus persönlichen Gründen, gegen die Familie und für die Liebe. Ad hoc tauchen wir ein in einen "dermaßen verliebten Sommer, das man die unterdrückten Jauchzer des Publikums förmlich spüren kann“ (Unruhe im Oberrang). Auf die ungestüme Leidenschaft der Jugendlichen folgt die Trennung per Staatsgewalt und eine Lebensgeschichte, in die sich die Geschichte unauslöschlich eingeschrieben hat.

DIE LEGENDE VON DIMI & ELA ist ein rasant erzähltes Biopic. Nach drei Jahren Trennung, Internierung im Jugendwerkhof und etlichen Eskapaden stellt Ela 1980 mit ihrem kleinen Sohn einen Ausreiseantrag in den Westen. Es folgen weitere Kinder, weitere Konflikte, kein Happy End. Die erwachsenen Liebenden erkämpfen sich Gemeinsamkeit, verlieren sich wieder, taumeln ... Haftstrafe für den Vater, die Familie zerbricht. Die Kinder mitten zwischen zwei Menschen, die es versucht haben: Eine neue Generation voller Angst, Wut und Ohnmacht wächst heran. Ist Geschichte vererbbar? Tappt man zwangsläufig in dieselben Fallen? Die szenische Lesung stellt die komplexe Thematik als turbulente und leichte Erzählung in den Bühnenraum. DIE LEGENDE VON DIMI & ELA ist ein Stück Berlin und zugleich Berliner Geschichte im Zeitraffer!


Es lesen Inga Bruderek / Sarah Amanda Dulgeris / Maximilian Rösler / Bernd Stempel Regie Ariane Kareev (3. Studienjahr Regie Ernst Busch) Text Sarah Amanda Dulgeris Kooperation Tribuene Berlin 
 

Tickets unter: http://theaterdiscounter.de/tickets

Anschließend Publikumsgespräch!!!
SZENISCHE LESUNG + PUBLIKUMSGESPRÄCH DDR TRENNUNG DURCH STAATSGEWALT TRAUMATA VERERBUNG GENERATION Y 

Fr. 30.09. 20:00->Theaterdiscounter, Mitte

Publikumsgespräch zu 'Die Legende von Dimi und Ela'

Eine Geschichte über zwei sich liebende Menschen, die durch Staatsgewalt getrennt werden, und über eine von Angst, Wut und Ohnmacht geprägte Generation. Nach der szenischen Lesung ist das Publikum eingeladen, sich über die Frage nach der Vererbung und nach der Loslösung von Geschichte auszutauschen mit Lola Fonsèque.

Ist Geschichte vererbbar? Und wenn ja, haben wir die Möglichkeit uns das bewusst zu machen und uns davon zu emanzipieren? Können wir selbstständig handeln und uns von den Mustern und den Traumata-Erlebnissen unserer Eltern oder Großeltern freimachen? Darüber diskutieren wir im Anschluss an die szenische Lesung mit der Autorin und den Künstler*innen.

 

 

17.9.2016 20h im Theater unterm Dach Berlin Flirren// Eine Endzwanziger Apokalypse

Am 17.9 um 20.00 findet im Theater unterm Dach  die Szenische Lesung von "Flirren // Eine Endzwanziger Apokalypse" statt.
 
Es geht um Marlene und Anton.
Kinder der Neunziger.
In einer Zeit der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.
Zwischen Macht und Ohmacht.
Suchen sie nach der Wichtigkeit.
Nach einer anderen Dimension.
Was all dem hier eine Bedeutung beimessen könnte.
Und nicht zuletzt nach der Liebe.
 
Es lesen: Olivia Meyer Montero, Nico Ehrenteit und Sarah Amanda Dulgeris
Sound: Sten Jackolis
Idee und Konzept: Olivia Meyer Montero und Nico Ehrenteit
Text: Olivia Meyer Montero
 
 

23./24.6.2016 20h Szenische Lesung "Die Legende von Dimi & Ela" im Theaterdiscounter

Es lesen: Inga Bruderek, Maximilian Rösler, Sarah Amanda Dulgeris, Bernd Stempel

Regie: Ariane Kareev (3. Studienjahr Regie, Ernst Busch)

Text: Sarah Amanda Dulgeris

 

Fotos und Video: Josefine Hüttig

 

https://www.theaterdiscounter.de/stuecke/die-legende-von-dimi-ela

Theaterkritik auf Unruhe im Oberrang: 

von Linus Westheuser

They fuck you up, your mum and dad.
They may not mean to, but they do.
They fill you with the faults they have
And add some extra, just for you.

…beginnt Philip Larkins charmantes Gedicht This Be the Verse. Die Vererbung des Scheiterns, der Makel, Ticks und Tragödien, die Umklammerung des eigenen Lebens durch fremde Vergangenheit – dieses literarische Dauerthema zieht sich auch durch Sarah Amanda Dulgeris’ Text Die Legende von Dimi und Ela, der am 19.2. als szenische Lesung im TAK zu hören war und dem eine nochmalige Theateradaption sehr zu wünschen ist. Das Stück erzählt die Geschichte eines Paares, das sich Mitte der 1970er Jahre auf dem Alexanderplatz findet: Die Ostberlinerin Ela wird von einer Freundin dorthin geschleppt, Dimi kommt aus Westberlin, um Schmuggelware zu verkaufen. Als Sohn griechischer Exilanten mythologisch gefirmt erkennt er in ihr seine Eurydike, die Legende beginnt wie jede Legende: Er bietet ihr eine Zigarette an – „und Feuer, damit sie entflammt“.

Schon folgen wir den beiden (behutsam und konzentriert gespielt von Maximilian Rösler und Dulgeris selbst) durch einen so dermaßen verliebten Sommer, das man die unterdrückten Jauchzer des Publikums förmlich spüren kann. Doch der Bösewicht erscheint in Gestalt von Elas misshandelnder Mutter (Inga Bruderek), die die Affäre an die Stasi verrät. Ela wird ins Heim gesteckt, dann ins Erziehungslager des Jugendwerkhofs. Dimi begibt sich auf eine orphische Reise durch die DDR-Bürokratie, wird mit Einreiseverboten belegt, bei nächtlichen Besuchen im Werkhof von Hunden gejagt; auch nach Geburt ihres Kindes kann es nur im sozialistischen Ausland zu Treffen der Liebenden kommen.

Nach all diesen Prüfungen schließlich glückt der Gang aus der Unterwelt und die beiden dürfen Anfang der 1980er Jahre heiraten und nach Westberlin ausreisen. Der Inszenierung von Ariane Kareev – deren flottes, in Teilen fast hektisches Tempo durch einen betont auktorialen und unbewegten Erzähler am Behördenschreibtisch konterkariert wird (superb gespielt von Bernd Stempel) – gelingt an dieser Stelle ein ergreifendes Bild: Sowohl der familiäre Missbrauch an Ela als auch die Schikanen von Stasi, Grenzschutz und Werkhofleitung wurden zuvor als ständig sich wiederholender Befehl zum Aus- und Wiederankleiden dargestellt. In der Hochzeitsszene nun kann das schon bis zur Unterhose entkleidete Liebespaar einen Schleier über sich werfen, der in all seiner Fragilität wie eine schützende Schale gegen diese Rituale der Entwürdigung und Fremdbestimmung erscheint.

Doch das vermeintliche Happy End – zu dem es der Mythos vielleicht aus gutem Grund nicht kommen lässt – markiert erst den Beginn des ernüchternden zweiten Teils der Erzählung: Im Westen angekommen verwandelt sich die Legende von Dimi und Ela in die Geschichte eines abgegessenen, von Geldsorgen geplagten Paares von Lohnabhängigen, das sich zunehmend entfremdet und verstummt. Der Fall jener Mauer, die die beiden jahrelang getrennt hatte, kommt zu spät. Ela hört die Nachricht und hängt weiter Wäsche auf, die geöffneten ‚Übergänge zu den Ruinen ihres früheren Lebens‘ interessieren sie nicht mehr. Dimi derweil verfällt der Spielsucht, lässt sich für deren Finanzierung auf kriminelle Machenschaften ein und landet im Gefängnis. Die Liebe zerbricht schließlich und Ela bleibt allein, mit einem Haufen Schulden und drei zu erziehenden Kindern.

Es sind diese Kinder, die das Stück als Letztes zu Wort kommen lässt und in deren Monologen das Stück seine Themen am deutlichsten entfaltet. Da ist der ‚transit-suchende Bruder‘, der „mit einer Fratze im Gesicht, die seinem Vater gehört, durch eine Gegend schleicht, in die man ihn hineingestellt hat“, der obsessiv einen Wachposten, eine Grenze, eine Zelle sucht. Deren materialisierte Scheidung von Innen und Außen, vermutet man, wird gesucht, weil sie den Schmerz der Instabilität dieser Scheidung in der eigenen Subjektivität kompensiert. Die Erfüllung des Wunsches ist folgerichtig nicht die gesuchte Einsperrung, sondern die Entwicklung eigener Handlungsfähigkeit. Der transit-suchende Bruder erkennt den Transit als ererbte Fixierung des Vaters, gibt diesem ‚die Fratze‘ zurück und bricht mit den Eltern. Die Schwester dagegen bietet den Zumutungen der Selbstwerdung mit einer „operierten Zugehörigkeit“ die Stirn. Ihr Emanzipationsprojekt besteht in der Aneignung einer halb verschütteten griechischen Familienidentität. Sie versucht, mit der widerspruchsvollen Prägung durch die Vergangenheit zu Rande zu kommen, indem sie sich in die Reihe mehr oder minder fiktiver – gar göttlicher – Vorfahren stellt, eine Identifizierung, die sie ganz buchstäblich operativ, in Bildern der plastischen Chirurgie auf ihrem Körper austrägt und die wie alle Identität in nachtraditionalen Zeiten eine künstliche, eine Identität auf Bewährung bleibt.

Kind 3 schliesslich agiert in einem für seine irre Rasanz mit Szenenapplaus quittierten Monolog den Lösungsversuch aus, der implizit auch dem Stück als Ganzem zugrundeliegt. Beim Rennen durch die Stadt erscheinen alle Fetzen und Bilder wieder, in denen sich Familienbiographie und Weltgeschichte zum untrennbar verworrenen Schicksal der Nachgeborenen verbunden haben. In ihnen werden die Wertschätzung und der Reichtum, wie auch die Anstrengung und Überforderung spürbar, die dem Versuch innewohnen, dieses Schicksal zu einem eigenen Leben zu formen, zu einer geschichtlichen Position zu finden, die die Vergangenheit weder verwerfen kann, noch ihr zum Opfer fallen muss. Wunden und Versprechen werden gleichermaßen offengehalten, eine einfache Teilung der Welt in Vergangenheit und Gegenwart, Notwendigkeit und Freiheit verweigert. Stattdessen entsteht ein vielschichtiger und subjektiver Raum, in dem mythische Versatzstücke, Komik und Entzauberung (siehe Überschrift), Prägung, Geschichte und atemloses Handeln in einer Komplexität zusammenfinden, die jener der Welt etwas entgegenzusetzen vermag.

Wie nicht zuletzt ein anschließendes Publikumsgespräch verdeutlichte, berührt das Stück so in kluger Weise Fragen, die die Identitätserzählungen und Autonomiebemühungen auch jener durchspuken, deren Geschichte nicht oder von anderen Teilungen und Fluchten geprägt wurde. Und auch der Blick in die Zeitung oder den Twitter-Feed verdeutlicht die unveränderte Dringlichkeit der Frage, wie es jenseits des Leugnung von Zugehörigkeit wie auch der Überidentifzierung mit ihren Kategorien gelingen kann, Geschichtlichkeit zu erringen.

„Man hands misery to man“, schreibt Larkin zum Abschluss seines Gedichts, „Get out as early as you can/ And don’t have any kids yourself“. Dass er sich mit eben diesen Zeilen in eine Ahnenreihe nachdenklicher Nachgeborener schrieb, die man rückwärts nach Belieben zu Sophokles oder Buddha, vorwärts zu Kiran Desai oder nun eben Sarah Amanda Dulgeris weiterführen könnte, ist wohl die ganz eigene Ironie der Geschichte.

05.06.2016 16.30 Alter Schlachthof Karlsruhe Premiere: "Die Geschichte des Soldaten" von Strawinsky

Mit: Olivia Meyer-Montero, Alexander Küsters, Luka Füchtenkordt, Sarah Amanda Dulgeris

 

Regie: Ariane Kareev

19.2.2016 20h im Aufbauhaus am Moritzplatz Szenische Lesung "Eine Geschichte von zwei Menschen, die es versucht haben, oder die Legende von Dimi und Ela.

Es lesen: Inga Bruderek, Maximilian Rösler, Sarah Amanda Dulgeris, Bernd Stempel

Regie: Ariane Kareev (3. Studienjahr Regie, Ernst Busch)

Text: Sarah Amanda Dulgeris

 

Fotos: Malte Wunder und Steffi Maier

19.12.2015 19h Wohnzimmer Vorlesung "Eine Geschichte von zwei Menschen, die es versucht haben, oder die Legende von Dimi und Ela" auf der Probebühne des Deutschen Theaters.

Es lesen vor: Inga Bruderek, Márton Péter Nagy, Aristoteles Chaitidis und Sarah Amanda Dulgeris.

Fotos: Tabea Magyar

 

Mein Stück ist geschrieben: Eine Geschichte von zwei Menschen, die es versucht haben, oder die Legende von Dimi und Ela. (Arbeitstitel)

Ich kann es kaum glauben. Nach Monaten des Rückzugs an den Schreibtisch: Im Dezember 2015 gibt es eine zweite Wohnzimmer Vorlesung und dann im Februar 2016 endlich eine öffentliche Werkstatt Lesung.

Ich freue mich ab jetzt von der Agentur feinschliff vertreten zu werden:

Seit September nun auch bei Filmmakers vertreten:

18.Juli 2015 Wohnzimmer Vorlesung von meinem Stück "Eine Geschichte von zwei Menschen, die es versucht haben- Die Legende von Dimi und Ela" (Arbeitstitel)

Impressionen Wohnzimmer Vorlesung. Es lesen vor: Inga Brudereck, Juri Effenberg und Sina Flubacher. Text: Sarah Amanda Dulgeris.

 

Fotos: Josefine Hüttig

neue Fotos: Retro Shooting by Malte Wunder

c) Malte Wunder

Seit Juli 2015 bin ich bei Schauspieler Videos:

https://ssl.schauspielervideos.de/fullprofile/schauspielerin-sarah-amanda-dulgeris.html

2015 Kurzfilm Mutterkuchen, Rolle: Juliane, R: Hanna Holitzner

2015 Germania Theater Parcour R: Sarah Kohm, Akademie der Künste Berlin

Premiere 19. Februar 19h, weitere Termine 20., 21. und 22. Februar 2015, immer 19h.

„Man muss die Toten ausgraben, wieder und wieder, denn nur aus ihnen kann man Zukunft beziehen. Nekrophilie ist Liebe zur Zukunft. Man muss die Anwesenheit der Toten als Dialogpartner oder Dialogstörer akzeptieren – Zukunft entsteht allein aus dem Dialog mit den Toten.“ Heiner Müller
Die Inszenierung konfrontiert mit der wechselvollen Geschichte des Akademie-Gebäudes am Pariser Platz. Junge Theaterkünstlerinnen und -künstler entwickeln einen performativen Parcours über die vier Etagen des gläsernen Kopfbaus, in dem die Gespenster der Vergangenheit eine akute Bedrohung für die Lebenden bilden. Die Produktion nutzt die Mittel der Revue und der Groteske sowie Soundinstallationen, Bild-, Text- und Musikcollagen und versucht an einem historisch gleichermaßen exponierten wie kontaminierten Ort, die Einflussnahme des Vergangenen auf Gegenwart und Zukunft erfahrbar zu machen. Zuschauer und Performer werden zu einer Gemeinde von Geisteraustreibern verschworen.

DER LINK zur Akademie der Künste

2014 ISFF Rollenarbeit Elke Petri u.a

Tonka, Jagdszenen aus Niederbayern, Martin Sperr

Erste Liebe, Der Auftrag, Heiner Müller

Gaby Nowotny, Diebe, Dea Loher

2014 Regieassistenz Barish Karademir Asphalt Tafelhalle Nürnberg

Asphalt- Eine musikalische Reise durch Großstadt und Sehnsucht. GESANG, SPIEL Atina Tabe/ ARRANGEMENTS, PIANO Jörg Joachim Riehle

2013 Performance Ophelia H.Müller R: Andreas Neu, Atelier Boddin 8 bei 48h Neukölln2013 Performance Vertreibung aus dem Paradies R: Andreas Neu, 

Juni 2012 Chanson&Lyrik - Ein Rendevouz im Hinterhof

Foto: Malte Wunder

Am 2. Juni ist es endlich soweit: Sarah Dulgeris hat mit den Clochards aux Cravates (Wanja Hüffel, Matthias Tamm, Clemens Melzer) um sich eine Band versammelt, die ein Instrumenten-Arsenal von Klarinette bis Piano, von Tröte bis Kontrabass, von Percussion bis Gitarre bespielt. Sie grooven, fiedeln und blasen Chansons der 60er, die man so noch nicht gehört hat. Max Czollek antwortet mit Gedichten aus seinem Debütband Druckkammern und mit noch frischerer Lyrik. Chanson und Lyrik ziehen – zu müde um schlafen zu gehen – durch Berlin, vorbei an Viehwaggons in fettem Licht und springen in die Ostsee, immer 17 Millimeter vom Glück entfernt. Wie vernäht man das?

2012 Oper Maria Buenos Aires, A. Piazolla, R: Karin Maria Piening, Kooperation mit der Komischen Oper Berlin

Premiere: 12.11.2011 "Der Große Gatsby" im tiK

Foto: Benjamin Jehne
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Sarah Amanda Dulgeris